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Humboldt-Universität zu Berlin - Wissenschaftsforschung

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Sozialwissen­schaften | Wissenschaftsforschung | Termindateien | (abgesagt) Konferenz: Positionality Reloaded. Dimensionen der Reflexivität im Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft

(abgesagt) Konferenz: Positionality Reloaded. Dimensionen der Reflexivität im Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft

Wann 14.05.2020 um 13:00 bis 18.05.2020 um 17:00 (Europe/Berlin / UTC200) iCal
Wo Auditorium des Jacob-Wilhelm-Grimm Zentrums der Humboldt-Universität, Geschwister-Scholl-Straße 1/3, 10117 Berlin
Kontaktname

Im Rahmen der ersten Ausschreibung zum Thema ”Social Cohesion” der Berliner Universitätsallianz haben wir für das Jahr 2020 Mittel für die Vernetzung sowie für die Entwicklung und Vertiefung von Themen erhalten. Als eine Gruppe von sieben WissenschaftlerInnen aus der TU, HU, FU, dem Leibnitz-Institut IRS und dem WZB möchten wir uns mit dem Thema Positionalität in der transdisziplinären Forschung auseinandersetzen.

Dazu veranstalten wir am 14. und 15. Mai 2020 in Berlin eine internationalen Konferenz unter dem Titel “Positionality Reloaded. Dimensionen der Reflexivität im Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft”.

Programm

14.05.2020 13-19 Uhr

(tba)

15.05.2020 9-17 Uhr

(tba)

Hintergrund

Früher stand die Wissenschaft in einer privilegierten Position und konnte im Schutz der Politik forschen, solange sie zeitweilig ihren Nutzen unter Beweis stellte. Seit den 1990er Jahren mehren sich jedoch Forderungen nach einer in die Gesellschaft integrierten Wissenschaft. Sie soll auf Augenhöhe und gemeinsam mit verschiedenen Gruppen – Kindern wie Erwachsenen, Kranken und Gesunden, Wertschöpfenden oder Mittellosen, Nahestehenden oder Fremden – Wissen erzeugen, das unmittelbar nützlich, gesellschaftlich integrativ und konsensuell akzeptiert ist. In forschungspolitischen Diskursen zeigen sich diese Forderungen in Form von Grand Challenges, Responsible Research and Innovation, Transdisziplinarität, Citizen Science, Participatory Research und weiterer Semantiken. Damit korrespondiert dass die Position der WissenschaftlerIn – seit einigen Dekaden als Fachspezialist etabliert – auf diese außerwissenschaftlichen Anforderungen hin modifiziert wird. Hybride, wie die WissenschaftsunternehmerIn, die KommunikatorIn, die Klinische WissenschaftlerIn, die WissenschaftsdiplomatIn usw. zeugen hiervon.

Die Debatten darüber welches wissenschaftliche Wissen wie produziert wird – Wissen von der Wissenschaft für die Wissenschaft oder heterogen erzeugtes und primär gesellschaftlich relevantes Wissen (der sogenannte „Mode 2“) – wird im akademischen Bereich weiterhin kontrovers diskutiert. Allerdings sind diese Fragen – und hier setzt unser Vorhaben an – in der Alltagspraxis empirisch noch weitgehend unerforscht. Wir möchten aus einer Metaperspektive sondieren, wie man der Frage nach den Formierungen, Bedingungen und Herausforderungen transdisziplinärer Forschung zum Themenfeld „sozialer Zusammenhalt“ reflexiv nachgehen kann. Dementsprechend gilt es in transdisziplinären Themenfeldern die Rolle der Reflexivität für die Selbstpositionierung von WissenschaftlerInnen im Spannungsverhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft zu erforschen. Wir wollen herausarbeiten wer, in welcher Weise, zu welchem Zweck einen Beitrag leisten kann und will, was die Herausforderungen dabei sind und welche Wissensregime dabei entstehen bzw. neu ausgehandelt werden.

Zentrale Referenzpunkte bilden die Überlegungen u.a von Merton zur „Normative Structure of Science“ (1942), von Knorr-Cetina zur Fabrikation von Erkenntnis (1984) von Haraway zum situierten Wissen (1995), von Luhmann zur Beobachtung der Beobachtung (1997), von Bourdieu zu Science of Science and Reflexivity (2001), sowie von Gingras zur Sociological Reflexivity in Action (2010). In Anschluss daran bieten eine Reihe von Ansätzen aus der Wissenschaftsforschung, Wissenssoziologie sowie der Ethnografie und Anthropologie, die aktuell im Berliner Umfeld kontrovers diskutiert werden, Anhaltspunkte zum reflexiven Umgang mit der eigenen Position als ForscherIn in der Gesellschaft. Hier gilt es auszuloten, inwiefern diese in transdisziplinären Themenfeldern – insbesondere in den Bereichen Sozialstrukturanalyse, Verkehr und Mobilität, Klimaforschung, Biodiversitätsforschung, Migration sowie Stadtplanung, produktiv gemacht werden können.

Einigkeit scheint darin zu bestehen, dass eine reflexive Forschungshaltung bei der Feldkonstitution, Datenerhebung, Quellen-/Materialsammlung und Analyse notwendig ist. Die normativen Fragen der notwendigen Distanzierung, angebrachten Involvierung, erwünschten Intervention und des erforderlichen Aktivismus sind allerdings umstritten. Unterschiedliche Haltungen werden nicht mehr nur als Gradierung angesehen, sondern vielmehr relational bzw. symmetrisch mit den Beforschten gedacht. Um nicht nur über, sondern mit Akteuren des Feldes zu forschen, müssen methodische Grundannahmen und regelgeleitete Standards neu ausgehandelt werden. Es stellt sich die Frage, welchen Ansprüchen eines demokratisch verfassten Gemeinwesens an Wirksamkeit, Effektivität und Nutzen Wissenschaft heute gerecht werden muss. In welcher Weise muss sich Wissenschaft positionieren, um den eigenen Standards zu genügen? In Reaktion auf diese öffentlich und wissenschaftspolitisch konnotierten Diskurslinien, rücken wir die Frage ins Zentrum, inwiefern die Wissenschaft einer spezifischen Reflexivität und ggf. Selbstreflexion bedarf, um für und in der Gesellschaft weiterhin bedeutsam zu sein.

Diese Frage wird während der internationalen Konferenz unter dem Titel “Positionality Reloaded. Dimensionen der Reflexivität im Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft” am 14. und 15. Mai 2020 in Berlin behandelt.

AntragstellerInnen

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