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Humboldt-Universität zu Berlin - Soziologie der Arbeit und Geschlechterverhältnisse

Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten


Lesen von wissenschaftlichen Texten in drei Schritten


1. Schritt
Kursorisches Lesen ("Querlesen)

Ziel ist das schnelle Erfassen der wichtigsten Aussagen / Passagen / Kapitel

  • Kurze Texte: nach Schlüsselbegriffen suchen
  • Bücher: den Umschlagtext, Einleitung, Schluss und wichtigste Kapitel beachten


2. Schritt
Intensives Lesen

Ziel ist das systematische Erarbeiten zentraler Aussagen

  • Gründliches Lesen, Unterstreichen, ggf. Randzeichen
  • Zusammenfassen wichtigster Textpassagen / Aussagen in eigenen Worten wiederholen ("paraphrasieren")
  • evt. "Strukturkarte"/ Mind Map anlegen


3. Schritt
Exzerpieren

Was sollte ein Exzerpt enthalten?

  1. Das allgemeine Thema des Textes / Abschnitts / Was ist das behandelte Problem?
  2. Worin besteht die Fragestellung des Textes?
  3. Welche Position vertritt der Autor / die Autorin?
  4. Zu welchen zentralen Ergebnissen kommt der Text?


Was ist eine These?

Eine These ...

  • ist ein aufgestellter Leitsatz zum Zweck der Argumentation
  • wird als kurze, prägnante oder auch provokative Behauptung formuliert
  • will wirken bzw. etwas bewirken
  • ist als Ausgangsbehauptung Teil einer Argumentationskette
  • regt als persönliche Stellungnahme zur Diskussion an

    oder
  • fasst die zentralen Aussagen anderer Personen übersichtlich und informativ zusammen


Argumentieren mit Thesen an einem Beispiel

These
"Die Öffnung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens für private Programmanbieter bedroht den demokratischen Meinungsprozess."

Begründung
"Privatfernsehen bedroht die Meinungsvielfalt, weil sich auf Dauer nur die finanzstärksten Anbieter behaupten und damit meinungsbildend wirken."
Schlussfolgerung / Fazit
"Deshalb muß das Fernsehen für private Programmanbieter verschlossen bleiben."
Eigener Standpunkt / begründete Antithese
"Ich stimme zu, weil ..." / "Ich stimme nicht zu, weil ..."


Bibliografieren

1. Bücher

Nachname, Vorname (Jahr): Titel, Ort.
bei Namensaufzählung: Schrägstrich zwischen den Namen
bei Sammelbänden: hinter dem Vornamen ein Hg. in Klammern setzen

Bsp.:
Schröder, Gerhard (Hg.) (2003): Von der Last des Regierens, Berlin.

2. Aufsätze in Zeitschriften

Nachname, Vorname (Jahr): Titel. In: Zeitschrift, Heftnummer, Jahrgang, Ausgabennummer, Seitenzahl.

Bsp.:
Knef, Hildegard (2002): Chanson oder Leben? In: Zeitschrift für die gepflegte Diseuse, Heft 111, 28. Jg., Nr. 2, S. 1-22.

3. Aufsätze in Büchern

Nachname, Vorname (Jahr): Titel. In: Nachname, Vorname (Hg.): Titel, Ort, Seitenzahl.
(Sind Autorin und Herausgeberin identisch, entfällt Nachname, Vorname (Hg.) und wird durch (dies.) oder (ders.) ersetzt)

Bsp.:
Höying, Stephan/Schwerma, Klaus (2002): Gender Mainstreaming – Möglichkeiten und Grenzen aus der Perspektive von Männern. In: Nohr, Barbara/Veth, Silke (Hg.): Gender Mainstreaming. Kritische Reflexionen einer neuen Strategie, Rixdorf, S. 56-62.

4. Bei „grauer Literatur“ oder Dokumentationen ohne Personen als erkennbare Herausgebende

Institution statt Name angeben, ansonsten wie oben

Bsp.:
Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr (2000): Gutachten Nr. 2/2000 Teil 1. Die Öffnung der Bundeswehr für Frauen aus Sicht männlicher Soldaten, Straußberg.

5. Bei Internetquellen

Wie oben. Vollständige URL bzw. Internetadresse (Zugriff: Tag.Monat.Jahr)
(oft ist im Netz kein Ort oder Erscheinungsdatum angegeben)

Bsp.:
Kreisky, Eva: Paradise Lost: Das patriarchalische Familienmodell in der Krise. http://evakreisky.at/onlinetexte/familie_kreisky.php (Zugriff: 13.03.2004).

Abweichungen von dieser Bibliografierform sind natürlich zulässig. Das Wichtigste beim Literaturverzeichnis ist Einheitlichkeit!


Das überzeugende Plädoyer

1. Einleitung
  • Sich vorstellen: Wer spricht?
  • In das Thema einführen und die These vorstellen: Um was geht es? Was ist die Aufgabenstellung? Interesse am Thema wecken!
2. Hauptteil

  • Drei zentrale Argumente anführen!
  • Anschaulich und nachvollziehbar argumentieren (Beispiele, Vergleiche ziehen)
  • Nicht zuviel Information bringen!
  • Argumentationsfolge logisch und stimmig (auf mögliche Widersprüche achten!) aufeinander aufbauen
3. Schluss

  • Der Schluss bildet den Höhepunkt des Plädoyers!
  • Pointiert, einprägsam und für den eigenen Standpunkt werbend formulieren: "Und deshalb kann nur ..."
  • Auf Begründungen verzichten! Der Schlussatz ergibt sich zwingend aus der vorher dargelegten Argumentation!


Regeln zum Feed Back

Beim Feed-Back-Geben

  • beide Seiten ansprechen: Was hat mir gefallen? Was hat mir weniger gefallen?
  • „ich“ spreche – nicht „man“
  • die Person, die gemeint ist, direkt ansprechen
  • nicht interpretieren – sondern: Wie hat etwas auf mich gewirkt?
  • Fragen vermeiden
  • die eigene Wahrnehmung beschreiben – nicht urteilen oder bewerten
  • auf hier und jetzt beziehen
  • konstruktiv bleiben – nicht unsachlich oder persönlich werden

Beim Feed-Back-Nehmen

  • nicht: rechtfertigen, verteidigen oder erklären
  • sondern: zuhören, verstehen, nachfragen


Moderieren einer Diskussion

  • über dem Thema stehen – unparteilich sein
  • das Gespräch unterstützen – nicht mitdiskutieren
  • gegensätzliche Meinungen herausstellen und sichtbar machen
  • Diskussion aktivieren und in Gang halten – Impulse geben
  • mehr zuhören als selbst reden
  • vereinbarte Diskussionsregeln durchsetzen
  • alle Beiträge würdigen – niemanden übergehen
  • Störungen zur Sprache bringen und klären
  • Struktur geben – (Teil-)Ergebnisse zusammenfassen
  • zu viele verschiedene Fragen? – systematisches Vorgehen vorschlagen: Themenspeicher und Prioritätenliste!
  • Selbst den Faden verloren? – Locker bleiben, kann passieren