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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Sozialwissenschaften

Wissenschaftsforschung sowie Politische & Soziologische Theorie

Bewertungen finden dort statt, wo es um die Sicherung von hochgeschätzten Gütern geht. In der Wissenschaft ist das wertvollste Gut die wissenschaftliche Qualität. Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn hat schon immer auf wissenschaftlicher Qualitätssicherung basiert, die jedoch nicht als externe Bewertung sondern innerhalb der scientific community selbst vorgenommen wird. Von der Auswahl der Gutachtenden basierend auf ihrer sozialen Vertrauenswürdigkeit in der Royal Society bis hin zum aktuellen single-, double- oder triple-blind Peer Review ist die Beurteilung der wissenschaftlichen Qualität von Methoden, Theorien oder empirischen Erkenntnissen immer ein zentraler Mechanismus gewesen, um scientific communities zu etablieren und zu erhalten. Zwar ist Peer Review oft kritisiert worden. Dennoch hat es sich als Goldstandard zur Bewertung wissenschaftlicher Qualität durchgesetzt.

Angesichts der Vielfalt von Bewertungspraktiken in der Wissenschaft fragen wir danach, wie wissenschaftliche Qualitätssicherung in unterschiedlichen Situationen und Kontexten verstanden und praktiziert wird. Ziel ist es, erstens einen Beitrag zur vergleichenden empirischen Beforschung von Bewertungspraktiken in Wissenschaft und Hochschule und zweitens einen Beitrag zu aktuellen theoretischen Diskussionen im Rahmen der Soziologie des Wertens und Bewertens zu leisten.

Leitung:  Dr. Anne K. Krüger, Prof. Dr. Martin Reinhart

Laufzeit: 10/2016 – 09/2019

Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung


Nicht ein Gespenst geht um in Europa - sondern viele: die Gespenster politischer Ratlosigkeit. Was tun? An Krisendiagnosen und Antwortversuchen mangelt es nicht. Doch eine Theorie politischer Ratlosigkeit fehlt. Denn die Frage "Was tun?" stellt sich nicht von selbst. Wann, wie und von wem wird sie gestellt und dadurch politische Ratlosigkeit überhaupt erst fest- und hergestellt? Politische Akteure haben ein Interesse an dieser Frage. Sie werfen einander Ratlosigkeit vor und antworten darauf mit konkurrierenden Politikangeboten. Politische Beraterinnen und Berater sind gleichfalls an der Frage der Ratlosigkeit interessiert. Um ihren Ratschlägen Gehör zu verleihen, schaffen und vergrößern sie den Beratungsbedarf ihrer Adressaten, den sie mit ihren Ratschlägen bedienen. Ähnliches gilt für Politikberatungs-Theoretiker. Sie erhöhen die Aufmerksamkeit für ihre Theorien und für ihre Meta-Ratschläge über den richtigen Umgang mit Rat, indem sie hierzu Ratlosigkeit fest- und herstellen. Die politische (Ideen-)Geschichte des Rats kann daher als eine Geschichte nicht allein der Reduktion, sondern zugleich der Produktion politischer Ratlosigkeit gelesen und erzählt werden. Vor ihrem Hintergrund lässt sich eine Theorie politischer Ratlosigkeit skizzieren. Diese wird die Gespenster der ratlosen Gegenwart zwar kaum vertreiben. Sie kann sie aber begreifbarer machen, indem sie anstelle schneller Antworten die Frage politischer Ratlosigkeit selbst wieder zum Beratungsgegenstand macht.

Leitung: Dr. phil. Felix Wassermann

Laufzeit: 02/2015 – 08/2018

Förderung: Volkswagen Stiftung


Das Projekt "Was ist der 'Islamische Staat'? Netzwerk-Staaten als Bedrohung für offene Gesellschaften" verfolgt zwei Ziele: Erstens sucht es aufständische Netzwerk-Staaten - am Beispiel des so genannten "Islamischen Staats" (IS) - als einen neuen Typus nichtstaatlicher Gewaltakteure in der internationalen Politik zu beschreiben. Zweitens zielt es auf ein umfassendes Verständnis der spezifischen Bedrohung ab, die Akteure wie der IS für offene multikulturelle Gesellschaften darstellen. Netzwerk-Staaten sind weder Terrornetzwerke noch territorial begrenzte souveräne Staaten, sondern hybride Akteure, die Elemente von Terrornetzwerken und souveränen Territorialstaaten auf neuartige Weise miteinander verbinden. Der IS vertraut einerseits auf globale Netzwerke ausländischer Kämpfer, Gelder und Waffen. Andererseits kontrollieren seine Führer bestimme territoriale Enklaven und generieren dort Legitimität durch die Bereitstellung öffentlicher Güter wie auch durch klassische Guerillataktiken des Terrors und der ideologischen Indoktrination. Am Beispiel des IS bearbeiten wir vier Fragen: 1. Wie lässt sich der gegenwärtige Aufstieg aufständischer Netzwerk-Staaten erklären? 2. Inwiefern, wenn überhaupt, unterscheiden sich heutige aufständische Netzwerk-Staaten von historischen Guerillabewegungen und deren Staatsbildungsversuchen? 3. Wie genau bedrohen aufständische Netzwerk-Staaten offene multikulturelle Gesellschaften im Allgemeinen und Deutschland sowie Australien im Besonderen? 4. Welche Strategien sind am effektivsten, um der von aufständischen Netzwerk-Staaten ausgehenden Bedrohung offener multikultureller Gesellschaften zu begegnen? Das Projekt sieht eine zweijährige Zusammenarbeit der deutschen und australischen Projektteilnehmer mit vier einmonatigen Intensiv-Arbeitsphasen in Berlin und Brisbane vor.

Leitung: Prof. Dr. phil. Herfried Münkler

Laufzeit: 01/2016 – 12/2017

Förderung: Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD)