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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Sozialwissenschaften

Soziale und politische Ungleichheiten sowie Arbeit und Lebensführung

Since the early 1990s, the incidence of atypical employment – fixed-term, part-time, low paid or flexible shift work – has increased markedly in many advanced economies. This includes but is not limited to the rise of the ‘gig economy’, i.e. the growing share of the economy that relies on work being performed through short-term contracts or freelancing. We currently lack a good understanding of whether, how and to what extent the negative consequences of atypical employment that are known to affect individuals in these kinds of employment conditions are further transmitted to the next generation, thus entrenching social disadvantage amongst this group and hampering social mobility. Our project aims to shed light on this question by bringing together two bodies of inquiry — research on social consequences of atypical employment and research on the intergenerational transmission of disadvantage. Building on the theoretical and empirical advances in these two fields of research, we aim to establish the empirical associations between different types of atypical employment in the parental generation and the development and life chances of children.

Leitung: Prof. Dr. Anette Fasang (HU Berlin), Dr. Bastian Betthäuser (Oxford)

Laufzeit: 02/2019-12/2020

Förderung: OX-BER Research Partnership Seed Grant


This project, seed-funded by the OX-BER partnership, explores the potential challenges in linking policies oriented to the pre-parental phase of family with those oriented to the parental phase. Theories on the latter are far more developed than on the former, certainly from a social policy perspective. Moreover, the two phases of life are typically treated in isolation and by distinct research fields. Policies for the preparental phase tend to be considered from a public health perspective whereas the parental phase tends to be the province of classical family policies. Hence, little is known about similarities and differences in the logics of law and social policy shaping partnership and family formation on the one hand, and parenthood and family life on the other. This omission is highly problematic especially because it makes for a lacuna in social policy knowledge and potential contradictions between social policy, law and health policy. In sum, the project opens up the view of the life course as starting before conception and aims to contribute to elaborating an innovative perspective of social rights of children and parents across the life course.

Leitung: Dr. Hannah Zagel (HU Berlin), Prof. Mary Daly (Oxford)

Laufzeit: 02/2019-12/2020

Förderung: OX-BER Research Partnership Seed Grant


Das Projekt analysiert die Rolle von familiendemografischen Prozessen (Austritt aus dem elterlichen Haus, Ehe, Scheidung und Elternschaft) für das Risiko von Erwerbsarmut über den Lebensverlauf.
Der Forschungsoutput wird mindestens drei innovative Beiträge zum Verständnis von familiendemografischen Prozessen und Erwerbsarmut in Europa beisteuern. Erstens wird ein systematischer Literaturüberblick der familienbezogenen Risikofaktoren für Erwerbsarmut erstellt. Zweitens wird auf der Grundlage von CNEF-Daten analysiert, wie der Zusammenhang zwischen familiendemografischen Prozessen und Erwerbsarmut über den Lebensverlauf variiert. Zum Beispiel soll der äußerst wichtigen Fragen nachgegangen werden, inwiefern der Eintritt in die Elternschaft und Scheidung das Risiko von Erwerbsarmut erhöhen und inwiefern sich dieser Zusammenhang mit zunehmendem Alter verstärkt oder abschwächt. Drittens wird der Zusammenhang zwischen familiendemografischen Prozessen und Erwerbsarmut in einem Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien beleuchtet.
Die beiden Länder unterscheiden sich stark hinsichtlich der wohlfahrtstaatlichen Maßnahmen gegen Armut. Dieser Zwei-Länder-Vergleich wird zeigen, ob Programme mit gezielten Geldleistungen gegen Armut (Großbritannien) den negativen Einfluss der Elternschaft auf Erwerbsarmut mindern oder ob bedingungslose Familiengelder (Deutschland) effektiver sind. Die empirische Komponente wird durch eine Tagung ergänzt, die Experten zu deutscher und britischer Familien-, Arbeits-, und Sozialpolitik sowie deren Beziehung zu sozialen Ungleichheiten zusammenbringt.

Leitung: Dr. Emanuela Struffolino (HU Berlin), Prof. Dr. Johannes Giesecke (HU Berlin), Prof. Dr. Christiaan Monden (Oxford), Dr. Zachary Van Winkle (Oxford)

Laufzeit: seit 2018

Förderung: OX-BER Research Partnership Seed Grant


  • W2-Stiftungsprofessur "Soziologie der Sozialpolitik"

Am Institut für Sozialwissenschaften (ISW) der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) wird eine neue Professur für „Soziologie der Sozialpolitik“ eingerichtet. Die auf Dauer eingerichtete Stiftungsprofessur wird in den ersten fünf Jahren mit mehr als einer Million Euro vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert. Damit soll ein Beitrag zur Stärkung von Forschung und Lehre im Bereich der Sozialpolitik an deutschen Hochschulen geleistet werden. Die Professur soll sich schwerpunktmäßig mit Fragen des Verhältnisses von Ungleichheit und Sozialpolitik beschäftigen. Vor dem Hintergrund des rapiden Wandels der Arbeitswelt, des technologischen Wandels und sozialstrukturellen Veränderungen soll erforscht werden, wie verschiedene Gruppen der Gesellschaft von Änderungen betroffen sind und welche neuen Anforderungen sich dadurch an investive und umverteilende Sozialpolitik stellen. Dabei soll nicht nur eine mehrdimensionale Ungleichheitsperspektive leitend sein, sondern es sollen auch subjektive Aspekte und Copingstrategien berücksichtigt werden. Die Forschung der Professur soll auch Fragen der Neugestaltung sozialpolitischer Instrumente adressieren. Ziel ist es, anhand von empirischen Befunden sowohl für die Politik als auch die Öffentlichkeit transparent zu machen, wie sich unterschiedliche sozialpolitische Entscheidungen sowohl auf den Lebensverlauf von Individuen als auch auf Kenngrößen wie Primärverteilung, Teilhabechancen und zukünftige Einkommensverteilung auswirken. Die Professur wird in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und dem dort ansässigen Sozio-oekonomischen Panel (DIW Berlin / SOEP) auf Dauer eingerichtet und soll durch die Mitwirkung am Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) einen Beitrag zur evidenzbasierten Erforschung des Wandels des Systems der sozialen Sicherung leisten.

Leitung: Prof. Dr. Johannes Giesecke, Prof. Dr. Steffen Mau

Laufzeit: 01/2018 - 12/2022

Förderung: Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung


Dieses innovative Projekt betrachtet Ungleichheit über den Lebensverlauf aus einer dynamischen Perspektive. Es wird untersucht wie Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Familienverläufe im frühen Erwachsenenalter zusammenwirken und gemeinsam die Akkumulation von Benachteiligung oder von Vorteilen über den Lebensverlauf verursachen. Dabei wird auf der Basis von Längsschnittdaten über 20 Jahre in fünf europäischen Ländern und mit Hilfe von neusten statistischen Methoden der quantitativen Lebensverlaufsanalyse eine vergleichende Perspektive eingenommen. Ziel ist es zu analysieren, wie ökonomische und institutionelle Unterschiede zwischen den Ländern Lebensverläufe und daraus resultierende ökonomische Ungleichheiten beeinflussen. Das frühe Erwachsenenalter ist eine zentrale Phase des Übergangs in der Individuen verschiedenen Entscheidungen gegenüber stehen - bezüglich Ausbildung, Arbeitsplatz, Partnerschaften und Elternschaft - welche ihre zukünftigen Lebenschancen beeinflussen. Dieses Projekt untersucht zentrale Wendepunkte in Lebensverläufen, Wechselwirkungen zwischen ihnen und wie sie zur Akkumulation von Ungleichheit zwischen und innerhalb sozialer Gruppen beitragen. 

Leitung: Prof. Dr. Anette Éva Fasang

Laufzeit: 03/2018 - 02/2021

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


Fragen der Reproduktion und Familiengründung stehen imDFG.de Zentrum der (sozial-)politischen und wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. In Deutschland kam es zu einer zunehmenden rechtlichen Gleichstellung hetero- und homosexueller Lebensformen, doch bestehen soziale, institutionelle und rechtliche Ungleichheiten fort. Neue Reproduktionstechnologien erleichtern zwar mehr Menschen eine Elternschaft, doch Menschen jenseits des heterosexuellen (Ehe-)Paarseins sind hiervon oft ausgenommen, da aufgrund der gesellschaftlichen Hetero- und Paarnormativität abweichende Lebens- und Liebesformen abgewertet oder ausgeschlossen werden. Wir möchten daher die Heterogenität familialer Lebensformen jenseits der heterosexuellen Kleinfamilie - sog. Regenbogen- oder LGBTIQ-Familien - aus einer ungleichheitssoziologischen Perspektive theoretisch und empirisch fokussieren.

Leitung: Prof. Dr. phil. Christine Wimbauer, Dr. Almut Peukert, Dr. phil. Mona Motakef

Laufzeit: 01/2018 - 12/2020

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


Zwei oder mehr Menschen gründen gemeinsam einevolkswagen-stiftung.de Familie, aber sind kein Paar, nicht in Zwei oder mehr Menschen gründen gemeinsam eine Familie, aber sind kein Paar, nicht in höchstpersönlicher Liebe verbunden. Doch was bedeutet die Ausbreitung dieser Familienform des ‚Co-Parenting‘ für die (romantische) Liebe? Bisher existiert keine kultur- oder familiensoziologische Auseinandersetzung hiermit im deutschsprachigen Raum. Das Vorhaben untersucht daher die potentiellen Auswirkungen von Co-Parenting jenseits eines elterlichen ‚Liebesglückes‘ für die paarförmige Liebe. Liebe wird hierbei nicht als Gefühl verstanden, sondern als Semantik, als kulturelles Muster für die Beziehungsausgestal-tung.
Bedeutet dies das verfallsgeschichtliche Ende der Liebe, ein emotionales Dystopia, ausgehend vom Leitbild der romantischen Liebe? Das romantische Liebesideal fundierte v.a. im Golden Age of Marria-ge, das in der BRD von den späten 1950er bis zu den 1970er Jahren dauerte, das geschlechterunglei-che bürgerliche Normalfamilienmodell bzw. das männliche Ernährermodell. Transformiert sich die Liebe und öffnet sich für Familien- und Beziehungsformen jenseits der Hetero- und Paarnorm, für die aber teilweise noch die Bezeichnungen fehlen? Entfaltet sich in der post-romantischen Elternschaft gar ein utopisch-emanzipatives Potential, das Frauen und LGBTIQ*s aus patriarchalen, hetero- und paarnor-mativen Herrschaftsverhältnissen befreit? Oder treten Ambivalenzen zutage?
Das Vorhaben möchte diesbezügliche Zukunftsszenarien kultur- wie strukturtheoretisch systematisch durchleuchten und auch gesellschaftspolitische Herausforderungen thematisieren.

Leitung:  Prof. Dr. phil. Christine Wimbauer

Laufzeit: 04/2019 - 03/2020

Förderung: Volkswagen Stiftung


Dieses Projekt untersucht den Besitz von individuellemDFG.de Vermögen in Paarhaushalten. Das Vermögen ist eine ökonomische Ressource, die ihrem Besitzer viele Vorteile bietet, die durch Einkommen alleine nicht erreichbar sind. Vermögen ist somit ein wichtiger und eigenständiger Aspekt von sozialer Ungleichheit. Dabei ist vor allem individuelles Vermögen - in Abgrenzung zum Haushaltsvermögen - in Zeiten von instabilen Paarbeziehungen und sich verändernden Wohlfahrtsstaaten zur ökonomischen Absicherung im Lebenslauf zunehmend bedeutsam. Die bisherige Forschung hat zwar gezeigt, dass Frauen im Vergleich zu Männern in heterosexuellen Paarbeziehungen oft weniger individuelles Vermögen besitzen. Wie diese Ungleichheiten entstehen, bleibt aber weitgehend unklar. Deshalb wird im vorliegenden Forschungsvorhaben der Frage nachgegangen, was die individuelle Vermögensbildung und Vermögensungleichheiten in Paarbeziehungen bedingt. Durch die Beantwortung dieser Frage wird erstens ein besseres Verständnis der genderspezifischen Wirkung von Paarbeziehungen auf die Vermögensbildung gewonnen. Zweitens wird das Wissen über die Entstehung von ökonomischen Ungleichheiten bei Paaren erweitert. Drittens werden kontextuelle Einflussfaktoren der individuellen Vermögensbildung aufgedeckt. Das Projekt nutzt dazu Theorien der Ressourcenverteilung in Paarhaushalten und kombiniert diese mit einer Lebenslaufperspektive. Es wird dabei angenommen, dass bekannte Prozesse der Vermögensbildung auf der Haushaltsebene unzureichend untersuchte und ungleiche Auswirkungen auf das individuelle Vermögen von Frauen und Männern haben. Zudem wird angenommen, dass diese Prozesse sich in verschiedenen Ländern unterscheiden, z.B. aufgrund spezifischer Steuergesetzgebung. Diese Annahmen werden überprüft, indem die Dynamiken individueller Vermögensbildung in Paarbeziehungen in verschiedenen Ländern aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht werden. Dazu werden quantitative, sekundäre Längsschnittdaten aus Australien, Deutschland, Großbritannien und den USA genutzt. Diese Daten werden durch empirische Wachstums- und Veränderungsmodelle sowie mit Modellen, die biographische Komplexität abbilden können, analysiert. Diese Analysen werden durch Faktorielle-Survey-Experimente ergänzt, in denen subjektive Einstellungen zu individuellem Vermögen in Paaren in allen vier Ländern gemessen werden. Diese Primärdaten werden mit Mehrebenenmodellen ausgewertet. Die Zusammenführung der Ergebnisse aus beiden Analyseteilen ermöglicht eine umfassende Beantwortung der Forschungsfrage. So kann das Entstehen von bedeutsamen, ungleichen Lebenschancen von Frauen und Männern aufgrund ihres Vermögens erklärt werden

Leitung: Prof. Dr. Philipp Lersch

Laufzeit: 03/2017 - 03/2020

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


Teilzeit, Leiharbeit, Minijobs, Soloselbstständigkeit: ImmerBoeckler.de mehr Menschen in Deutschland sind prekär beschäftigt, das ist bekannt. Was aber bedeutet das subjektiv für die Betroffenen? Welche sozialen Folgen erwachsen daraus? „Ich gehe davon aus, dass sich Unsicherheiten auch in anderen Dimensionen wie der Fürsorge, der Gesundheit, der Teilhabe, im Wohnen und – was mich besonders interessiert – in Paarbeziehungen und Freundschaften zeigen können“, sagt Dr. Mona Motakef. Sie beschäftigen die Anerkennungsdefizite, die mit einem prekären Job einhergehen können. Können sie durch die Anerkennung in einer Liebesbeziehung abgefedert werden? Steigern sie sich, wenn es auch dort nicht gut läuft? Gelingt es prekär Beschäftigten, ob allein oder als Paar lebend, überhaupt alternative Quellen für Anerkennung zu finden? 

Leitung: Dr. phil. Mona Motakef

Laufzeit: 09/2018 - 03/2019

Förderung: Hans-Böckler-Stiftung


Das Projekt HEALTHDOX beschäftigt sich mit der Zukunft DFG.deeuropäischer Gesundheitspolitik. Entsprechend der 5 übergreifenden Forschungsthemen der Ausschreibung untersuchen wir, wie sich die Gesundheitsreformen der letzten Jahre auf Gesundheitsausgaben, Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung und Einstellungen gegenüber dem Gesundheitssystem sowie dem Sozialstaat an sich ausgewirkt haben. Im abstrakten Sinn gehen wir der Fragen nach, ob es ein Paradox bei der zukünftigen Ausrichtung von Gesundheitssystemen gibt.

Leitung: Prof. Ph. D. Ellen Immergut (Vergleichende Analyse politischer Systeme)

Laufzeit: 2/2015 – 09/2018

Förderung: Norface / Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)


Der Begriff des Eigentums, und insbesondere des Eigentums an Grund und Boden, ist ein Schlüsselthema der modernen Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Ausgehend von der These des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau, dass der Ursprung der sozialen Ungleichheit aus den Privilegien der Landnahme entstehe - der illegitimen Einzäunung und anschließenden Kommodifizierung des Landbesitzes sowie des Ausschlusses anderer Nutzer und Nutzungen - geht diese Arbeit im Umkehrschluss der Frage nach, ob und wie ein gemeinschaftlicher Besitz und das Herauslösen des Bodens aus den Warenströmen zu einer gerechteren Gesellschaft führen könnten. In zahlreichen Gesellschaften, Kulturen und Religionen wurde und wird zum Teil auch heute noch Land als etwas Besonderes betrachtet, als ein Gut, das keine Ware wie jede andere ist und nicht individuell besessen werden kann. Zu nennen wären hier beispielsweise die Allmende im europäischen oder Al-Mashaa und Waqf im arabischen Raum, die Ejidos in Mexiko, die russischen Mir oder die Gramdanbewegung in Indien. Diese Modelle gemeinschaftlichen Besitzes lassen andere Gesellschaftsformen und soziale Verhältnisse aufscheinen. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, diese sehr unterschiedlichen Ansätze zu systematisieren und – über die historische und gesellschaftspolitische Analyse hinaus – auf ihr heutiges Potential zu befragen.

Leitung: Dr. phil. Sabine Horlitz

Laufzeit: 07/2017 – 07/2018

Förderung: Volkswagen Stiftung


Das Forschungsprojekt untersucht Ansprüche anBöckler.de betriebliche Partizipation und lebensweltliche Reproduktion vor dem Hintergrund subjektiver Krisen- und Ungleichheitserfahrungen im Bereich hochqualifizierter Arbeit. Im Fokus stehen die Wahrnehmungen und Handlungsorientierungen von Fach- und Führungskräften sowie betrieblichen Interessenvertretungen. Deren Ansprüche an den Gesamtzusammenhang von Arbeit und Leben, wie er sich insbesondere über das Geschlechterverhältnis vermittelt, werden im Kontext der Umstrukturierung von betrieblichen Leistungsregimen, Personalentwicklungsmaßnahmen und Vereinbarkeitsstrukturen betrachtet. Die arbeits- und geschlechterpolitischen Konfliktlagen, die sich daraus ergeben, sollen im Projekt für das exemplarische Untersuchungsfeld Deutsche Bahn AG empirisch rekonstruiert werden, um Ansatzpunkte für eine Strategie der Demokratisierung von Arbeit zu identifizieren.

Leitung: Prof. Dr. sc. phil. Hildegard-Maria Nickel

Laufzeit: 02/2016 – 12/2017

Förderung: Hans-Böckler-Stiftung


Seit einigen Jahren wird die ‚Prekarisierung‘ vonDFG.de Erwerbsarbeit vermehrt wissenschaftlich und öffentlich diskutiert. Die soziologische Prekarisierungsforschung nimmt hierbei aber oft einen auf einzelne Individuen und auf Erwerbsarbeit fokussierten Blick ein. Doch prekäre Be-schäftigung ist nicht nur häufig mit geringem Einkommen, sondern auch mit weniger Anerkennungschancen verbunden. Anerkennungsdefizite prekärer Beschäftigung sind jedoch bisher kaum untersucht, ebenso die sozialen Folgen prekärer Beschäftigung im Lebenszusammenhang und für die Geschlechterverhältnisse. Daher möchte das beantragte Vorhaben eine anerkennungs- und geschlechtertheoretische Perspektive auf prekäre Beschäftigung im Lebenszusammenhang entwickeln. Im Zentrum steht die interaktive (Paar-)Praxis der Herstellung von Anerkennung und von (Geschlechter-)Ungleichheiten bei prekär Beschäftigten mit und ohne Paarbeziehung. In Verbindung der Work and Family-, der Prekarisierungs- und der Anerkennungsforschung im Anschluss an Axel Honneth und Judith Butler sollen die Wechselwirkungen von prekärer Beschäftigung mit Paar- und Nahbeziehungen, dem Haushaltskontext, weiteren Lebensbereichen und mit Ge-schlechterkonzepten und dem Geschlechterverhältnis untersucht werden. Mittels qualitativer Paar- und Einzelinterviews und in einer konsequent rekonstruktiv-intersubjektiven Forschungslogik möchte das Projekt Anerkennungschancen, das Verhältnis von ‚Arbeit‘ und ‚Leben‘ / ‚Liebe‘ sowie (Geschlechter-)Ungleichheiten bei prekär Beschäftigten er-forschen: Wofür finden die Einzelnen in der Erwerbssphäre und in der Sphäre sozialer Nahbeziehungen Anerkennung und wie nehmen sie dies wahr? Weitet sich die Prekarisierung auf den gesamten Lebenszusammenhang und damit auch auf Nah- und Paarbeziehungen aus? Oder können soziale Nahbeziehungen Einschränkungen von Anerkennung in der Erwerbssphäre mildern? Wie gestaltet sich dies bei Personen ohne Partner/in, die nicht über die Anerkennungsform ‚Liebe‘ im Bereich von Paarbeziehungen verfügen? Und (wie) verändern sich tradierte Geschlechterleitbilder, Vorstellungen von Männlichkeit und Geschlechterverhältnisse durch prekäre Beschäftigung?

Leitung: Prof. Dr. phil. Christine Wimbauer

Laufzeit: 03/2015 – 09/2017

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)