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Humboldt-Universität zu Berlin - Wissenschaftsforschung

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Sozialwissen­schaften | Wissenschaftsforschung | Forschung | DFG-Netzwerk: Auf dem Weg in die Bewertungsgesellschaft?

DFG-Netzwerk: Auf dem Weg in die Bewertungsgesellschaft?

Projektdauer: 2018 - 2021
AntragsstellerInenn:
Dr. Thorsten Peetz (Bremen), Dr. Anne K. Krüger (HU Berlin, DZHW), Dr. Hilmar Schäfer

Verfahren des Vergleichs und der Evaluation, des Rankens und des Ratens prägen bereits seit einiger Zeit das Bild der Gesellschaft. Auf Märkten wird der Preis von Gütern verhandelt, Lehrerinnen benoten die Leistungen von Schülern, Kritikerinnen verreißen die jüngste Premiere – die Liste ließe sich leicht fortsetzen. Aktuell kann man allerdings Entwicklungen beobachten, die zur Intensivierung und Verbreitung von Praktiken des Bewertens führen. Prozesse der Quantifizierung und Standardisierung, der Digitalisierung und Algorithmisierung sowie der Popularisierung und Amateurisierung verändern die Art und Weise, in der innerhalb von Gesellschaft bewertet wird. Seit Beginn dieses Jahrzehnts untersucht die „Soziologie der Bewertung“ (Lamont 2012) auf der Grundlage vielfältiger theoretischer Perspektiven die unterschiedlichsten empirischen Felder und bringt dabei verschiedene spezielle Soziologien miteinander ins Gespräch. In zahlreichen Einzelstudien werden Phänomene der Bewertung aufmerksam verfolgt und detailliert nachgezeichnet. Versuche, übergreifende gesellschaftliche Entwicklungen und Tendenzen zu untersuchen, bleiben bislang allerdings noch aus. 

Das beantragte Netzwerk stellt sich dieser Forschungslücke und versammelt Mitglieder, die sich aus verschiedenen theoretischen und empirischen Perspektiven mit dem Phänomen der Bewertung beschäftigen. Es wird dazu beitragen, soziologische Expertise zu Bewertungen in unterschiedlichen Gesellschaftssphären zu bündeln und mittels des Vergleichs eine Analyse sphärenübergreifender Entwicklungen zu ermöglichen. Die Soziologie der Bewertung soll damit um eine gesellschaftstheoretische bzw. gesellschaftsdiagnostische Perspektive ergänzt werden. Die Ausgangsthese lautet dabei: Wenn Bewertungen in nahezu jedem Winkel der Gesellschaft anzutreffen sind und sie sich in der jüngsten Vergangenheit nicht nur immer weiter ausbreiten, sondern auch intensivieren und transformieren, dann befinden wir uns auf dem Weg in eine Bewertungsgesellschaft. Wie kann man einen solchen Wandel soziologisch beschreiben und welche Konsequenzen zieht er nach sich?

Um diese Frage zu klären, analysiert das Netzwerk die Gemeinsamkeiten und Differenzen von Praktiken der Bewertung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären, zeichnet ihren Wandel nach und identifiziert die Prozesse, die zu ihrem Umbruch beitragen. Auf dieser Grundlage wird eine bewertungssoziologisch informierte Perspektive auf gesellschaftliche Transformationsprozesse entwickelt.

 

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