Humboldt-Universität zu Berlin - Theorie der Politik

Salome, die Macht und der Eros

Wie die Lust der Nacht die Macht des Herrschers verzehrt

Ist einer, der sich alle Wünsche erfüllen, der sein Begehren hemmungslos ausleben kann, ein glücklicher Mensch? Platon hat sich diese Frage in der Politeia vorgelegt und eingehend diskutiert. Zentrum der Erörterung ist die Erzählung von dem Hirten Gyges, der einen Ring gefunden hat, mit dem er sich unsichtbar machen kann. So bleibt das Ausleben eines gegen Sitten und Recht verstoßenden hemmungslosen Begehrens straflos: Gyges schläft mit der Königin, tötet den König und übernimmt anschließend mit Hilfe der Königin selbst die Macht. Muss man einen, der vom Hirten zum Herrscher aufgestiegen ist und obendrein die schönste Frau sein eigen nennt, nicht glücklich preisen? Platon verneint das, denn ungehemmtes Begehren komme nicht zur Ruhe; Glücksgefühle könnten sich darum nicht einstellen. Und eine Macht ohne Selbstbegrenzung, so seine Überzeugung, müsse sich über kurz oder lang selbst zerstören. Tyrannische Herrschaft ist für Platon ein Widerspruch in sich selbst, weil der Tyrann zwar alle anderen beherrscht, aber sich selbst nicht unter Kontrolle hat.
Der Tyrann ist ein Getriebener seiner eigenen Triebhaftigkeit – und daran muss er zwangsläufig scheitern.
Verglichen mit einem solchen Tyrannen, der sich die Frauen nimmt, die er begehrt, ist Herodes ein konstitutioneller Herrscher. Er hat  ein Auge auf seine schöne Stieftochter Salome geworfen, aber er kann nicht ohne weiteres so, wie er will. Um zum Ziel zu kommen, muss er einen Vertrag eingehen, in dem er die eigene Wunscherfüllung gegen einen der Salome gewährten Wunsch tauscht: Dafür, dass Salome für ihn tanzt und sich dabei Stück für Stück entkleidet, will Herodes ihr jeden Wunsch erfüllen, wie groß der auch immer sein möge.
Prompt äußert Salome nach ihrem Striptease einen Wunsch, der den König zur Verzweiflung bringt: Sie will den Kopf des Propheten Jochanaan, den Herodes wegen regimekritischer Äußerungen gefangen hält, den er zugleich aber als  einen gottesfürchtigen und Gott nahen Menschen fürchtet. ...

(Den gesamten Text können Sie in der Zeitung der Komischen Oper Berlin komisch nachlesen, die Sie als PDF herunterladen können.)