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Humboldt-Universität zu Berlin - Theorie der Politik

Forschungsprofil

 

Archiv und Laboratorium politischer Probleme

Am Lehrstuhl von Prof. Dr. Herfried Münkler wird die interdisziplinär inspirierte Ideen­geschichte als ein Archiv politischer Problemstellungen betrachtet und gepflegt, um so dessen Bestände im Laboratorium der Politischen Theorie mit Blick auf aktuelle Problemlagen beleuchten, arrangieren und, wo nötig, auch mit neuen Ingredienzien anreichern zu können.

 

Analytische Perspektiven: Probleme, Lösungskonzeptionen und ihre Rhetorik

Die Analyse politischer Ideen, Normen, Praktiken, Institutionenarrangements und politischen Handelns wird daher mit Blick auf konkrete systematische und geschichtliche Heraus­forderungen sowie die daraufhin diskutierten Lösungsansätze perspektiviert. Dabei wird angenommen, dass politische Ideen stets in einem Kampf um ihre eigene Durchsetzung stehen. Es ist daher zu fragen, warum und wie ein bestimmtes Konzept sich durchsetzt, stabilisiert oder zerfällt. Neben der konzeptionellen Dimension rückt damit die Rhetorik und Symbolik politischer Ideen in den Fokus der Analyse. Eine solche umfassende Rekons­truktion bietet die Grundlage für eine kritische Evaluierung politischer Handlungs­vorschläge.

 

Methodische Perspektiven: Komplexe Beschreibungen

Politische Theorie und Ideengeschichte ist wissens­soziologisch immer auf ihre jeweiligen Autoren und Kontexte rückzukoppeln: Dies verlangt, die institutionellen, kulturhistorischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen politischen Handelns und politischer Organisation ebenso zu reflektieren wie den Standpunkt politischer Denker bzw. Denkerinnen in diesen Konstellationen. Der Lehrstuhl zielt damit auf eine komplexe Beschreibung politischer Situationen ab, um deren normative Bearbeitung und Diskussion sichtbar zu machen und diese zugleich selbst systematisch-vergleichend zu erhellen. Am Lehrstuhl wird daher betont interdisziplinär gearbeitet.

 

Thematische Perspektiven

Aus diesem Erkenntnisinteresse heraus lässt sich grundsätzlich eine Vielzahl politischer und sozialer Problemstellungen in den Blick nehmen. Neben einem Forschungsprojekt zur Antikerezeption im Rahmen des SFB 644 fokussiert der Lehrstuhl insbesondere folgende Problemkomplexe:

 

Normativität und Stabilität der modernen (westlichen) Demokratie

Welche Rationalitäten leiten das politische Handeln in der Moderne? Wie entstehen bestimmte Normen und Praktiken und wie setzen sich diese gegen alternative Projekte durch? Im Blickfeld sind dabei z.B. die Norm der Transparenz, die Rolle von Politikberatung und Expertise oder die Frage, wieviel Elite und Führung als kompatibel mit einer demokratischen Ordnung angesehen werden. Zeitlich liegt damit ein Fokus auf den Umbruchszeiten der Moderne, thematisch auf der übergeordneten Frage nach den Funktionsbedingungen der Demokratie.

Freiheit, Sicherheit und Risiko

Ist das Bewusstwerden von Kontingenz ein Merkmal der Moderne, führt dieser Schwerpunkt die Fragen des ersten fort: Wann wird Kontingenz als Gefahr oder als Chance verstanden? Wie kann Kontingenz dann durch Risikokalkulationen gezähmt werden? Damit sind zugleich aktuelle Probleme angesprochen: Innenpolitisch wird z.B. die Debatte um Privatheit und Überwachung analysiert. Außenpolitisch schließt der dritte Schwerpunkt an, der v.a. infolge des 11. Septembers die Vulnerabilität von Gesellschaften perspektiviert und so in Fragen von Sicherheit und Freiheit verflochten ist.

Politische Geografie und der Wandel des Krieges in ökonomischer, strategischer wie politiktheoretischer Hinsicht

Untersucht werden die geopolitischen Herausforderungen. Ideengeschichtliche Studien fokussieren dabei z.B. die Handlungsspielräume und -zwänge von Imperien und den Wandel des Krieges. Zugleich dienen die ideengeschichtlichen Erkenntnisse aber als Analysefundus für gegenwärtige Heraus­for­de­run­gen wie den Terrorismus, das Verhältnis zwischen den USA und China oder die Formierung Europas. Ein beson­derer Fokus liegt auf den Neuen Kriegen und dem Problem der sicherheitspolitischen Asymmetrie.

Narrative Sinnstiftung und politische Mythen als Ressource gesellschaftlicher Ordnungen

Dieser Schwerpunkt geht davon aus, dass politische Gemeinwesen Erzählungen ausbilden, um damit sowohl eine Handlungsorientierung als auch eine Legitimationsgrundlage zu erhalten. Daher wird untersucht, wie bestimmte Erzählungen und Symbole sich wandeln, sich sowohl bei Eliten als auch im Alltag der Menschen verankern und wie sich im Deutungskampf alternative Narrative durchsetzen und stabilisieren. In den Blick genommen werden z.B. der Einfluss von nationalen Selbstbildern auf das Handeln der Akteure im Ersten Weltkrieg oder die Frage nach handlungsleitenden Erzählungen für Europa.