Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Theorie der Politik

Sonderforschungsbereich 644 Teilprojekt A11

 

Deutungsmuster von Macht und Ordnung:
Imperium, Republik und Bund als politische Reflexionskategorien

 

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen

Eva Marlene Hausteiner, M.A.
Projekt 1: Machtdiffusion. Imperium und Bund als Ordnungsmodelle im 19. Jahrhundert

 

Marco Walter, lic.rer.soc.
Projekt 2: Machtkonkurrenz: Moderne Theorien des Politischen zwischen Partizipation und Dezision

 

Teilprojektleitung: Prof. Dr. Herfried Münkler
Grundausstattung: Dipl.-Soz. Felix Wassermann; Vincent Rzepka, M.A.
kooptierte Mitarbeiter: Dr. des. Sebastian Huhnholz; Dipl.-Pol. Adreas Lotz
Weitere Informationen: www.sfb-antike.de
 

Gesamtprojekt

Zur Konkurrenz unterschiedlicher politischer Ordnungsmodelle und Machtkonzeptionen tragen gerade im 19. und 20. Jahrhundert  divergierende Antiketransformationen bei: Neben dem antiken Rom, das unter anderem für imperiale Deutungsansätze anhaltend einflussreich ist, funktionalisieren politische Deutungs- und Entscheidungseliten auch das ‚klassische‘ Griechenland in ihren Auseinandersetzungen. Das Teilprojekt untersucht die Rolle antiker Deutungsmuster innerhalb diskursiver Aushandlungsprozesse. Dies geschieht anhand zweier Fallbeispiele, einerseits hinsichtlich der Konzeption föderaler Ordnungsmodelle im Gegensatz zu nationalstaatlicher Zentralisierung und imperialer Pluralisierung, andererseits bezüglich der Frontstellung zwischen partizipativen und dezisionistischen Machtkonzepten.

In beiden Fällen, die im Teilprojekt von zwei komplementären Unterprojekten bearbeitet werden, ist eine Pluralität von Antiken, aber auch von Modi des Antikebezugs zu konstatieren: Griechenland und Rom werden als konkurrierende Deutungsmuster zum Spiegel der eigenen Gegenwart, vor dem politisch und politiktheoretisch dringliche Fragen verhandelt werden, während gleichzeitig das Bild der antiken Referenzbereiche immer neu hervorgebracht, konturiert und wiederum instrumentalisiert wird. Neben diesen aktiven, oft affirmativen Referentialisierungen erweisen sich transformative Abstufungen der Ausblendung der Antike bis hin zur völligen Ignoranz ihr gegenüber als relevant für die Frage nach den beteiligten Akteursinteressen.  

 

Unterprojekt 1 analysiert föderative Debatten politischer Akteure, die ab dem 19. Jahrhundert insbesondere in Großbritannien und den deutschen Staatsformationen ausgetragen werden und in denen die Transformation von Antike(n) eine ambivalente Rolle spielt: Expliziten Referentialisierungen der Antike – durch die Affirmation griechischer Bundmodelle und die Ablehnung eines „römischen“ Zentralismus – stehen Fälle aktiver Ausblendung kanonischer antiker Präzedenzen gegenüber. Das Unterprojekt untersucht diese Modi der Transformation in ihrer Rolle als Ressourcen normativer Geltungsansprüche föderativer Ordnungsmodelle.

 

Unterprojekt 2 untersucht die Antiketransformationen im Hinblick auf zwei konfligierende Machtkonzepte, die sich im Laufe des politischen Denkens herauskristallisierten und schließlich im 20. Jahrhundert in Form des partizipativen Modells Hannah Arendts auf der einen Seite und des dezisionistischen Modells Carl Schmitts auf der anderen kulminierten. Der Fokus liegt dabei auf der zweiten Denktradition, in welcher, neben expliziten Bezugnahmen und Deutungsmustern, Akten der offenen Zurückweisung antiker Präzedenzfälle oder der Nichtbeachtung ihrer potentiellen Vorbildfunktion eine bedeutende Rolle zukommt.