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Humboldt-Universität zu Berlin - Stadt- und Regionalsoziologie

Forschungsgebiete

In ihrer Doktorarbeit, die in überarbeiteter Form in Englisch unter dem Titel „Urban Bonds“ (Cambridge, Polity 2003)  publiziert wurde, beschäftigte sich Talja Blokland mit der Bedeutung und dem Wandel von Gemeinschaft und der Rolle von Nachbarschaftsbeziehungen für Gemeinschaft. Sie untersuchte dazu eine Nachbarschaft in Rotterdam, Niederlande und erstellte aus den empirischen Erkenntnissen ein theoretisches Modell, um Gemeinschaft(en) und die Beziehungen zwischen Gemeinschaft und Nachbarschaft zu verstehen.


Ihr  folgendes Forschungsprojekt (2000 – 2005) trug den Titel “Does the urban gentry help?”. Darin untersuchte sie die sozialen Folgen von Gentrifizierungsprozessen, insbesondere auch auf  die politische Mobilisierung. Ihre Forschung wurde durch die Förderung der Royal Netherlands Academy of Arts & Sciences, der Netherlands Scientific Organisation und die Wenner Grenn Foundation for anthropological research ermöglicht.
Der empirische Teil ihrer Forschung besteht aus zwei Fallstudien. Eine Fallstudie wurde in New Haven (CT, USA), die andere in Rotterdam (Niederlande) erhoben. Die beiden Fälle wurden daraufhin untersucht, ob in gentrifizierten Nachbarschaften das dezentralisierte lokalpolitische  System der USA zu einem anderen Muster politischer Mobilisierung als in den Niederlanden führt. Die Studie trägt sowohl zu den theoretischen Debatten um Konflikt und Raum bzw. Kooperation und Wettbewerb bei, als auch zu der in der niederländischen Öffentlichkeit geführten Debatte um sozial gemischte Nachbarschaften: In dieser Debatte wird oft angenommen, dass durch die Anwesenheit von Personen mit hohem Sozialkapital die Lebensqualität in Nachbarschaften erhöht wird, da diese Personen dazu in der Lage sind, Probleme der Nachbarschaft gegenüber Politik und politischen Entscheidungsträgern bekannt zu machen. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden mehrere wissenschaftliche Artikel publiziert. Momentan arbeitet Prof. Dr. Blokland an der Fertigstellung eines Buches über die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts.


Durch die Unterstützung des niederländischen Ministeriums für Wohnen und gebaute Umwelt (Ministerie van Volkshuisvesting, Ruimtelijke Ordening en Milieubeheer, VROM) konnte Prof. Dr. Blokland von 2006 bis 2007 an einem weiteren Projekt arbeiten, in dem sie sich mit Fragen von „community“, Raum und „place making“ auseinandersetzte und dazu Daten in vier Nachbarschaften in Rotterdam (Niederlande) erhob. Ihr Forschungsfokus lag dabei auf der Frage, wie Vertrautheit im öffentlichen Raum („public familiarity“) das Sicherheitsempfinden und das Zugehörigkeitsgefühl von Anwohnern in einer Nachbarschaft beeinflusst.  In dem auf Niederländisch erschienenen Buch Oog voor Elkaar: Veiligheidsbeleving en Sociale Controle in de Grote Stad (Amsterdam: Amsterdam University Press 2009), setzt sich Talja Blokland mit der aus Jane Jacobs Buch „Eyes on the Street“ stammenden Annahme auseinander, dass die Sicherheit in Nachbarschaften durch Mischnutzungen (Häuser, Büros oder Läden) erhöht wird. Die durch diese unterschiedlichen Nutzungsarten gesteigerte Präsenz von Menschen im öffentlichen Raum verbessere die soziale Kontrolle und damit auch die Sicherheit. Aber nehmen Menschen im öffentlichen Raum einander überhaupt wahr? Und wenn ja, wann? Talja Bloklands Buch entwickelt eine Theorie zur physischen Baustruktur und Vertrauen im öffentlichen Raum und in der Stadt.

Prof. Dr. Blokland hat darüber hinaus Artikel in Niederländisch und Englisch zu den Themen Rasse und Ethnizität, Erinnerung(skultur) und physischer Baustruktur und zu Fragen des sozialen Zusammenhalts veröffentlicht.


Talja Blokland hat zusammen mit Professor Mike Savage unter dem Titel Networked Urbanism (Ashgate, 2008) ein Buch zu Sozialkapital und Raum herausgegeben. Obwohl unter Stadtpolitikern und Wissenschaftlern ein wahrnehmbares Interesse am Thema Sozialkapital existiert, gibt es, wie Talja Blokland und Mike Savage in diesem Buch zeigen, wenige Arbeiten zum direkten Zusammenhang von Sozialkapital und Stadt. Daher wird in diesem Buch von Stadtforscher aus den Niederlanden, Großbritannien, den USA, Australien, Italien und Frankreich die Beschaffenheit von sozialen Netzwerken in der Stadt und die Bedeutung von ehrenamtlichen Organisationen für das städtische Leben untersucht.
Laut den Autoren des Buchs “Networked Urbanism” wird momentan eine Krise des sozialen Zusammenhalts in der Stadt wahrgenommen, die von der Politik  mit der Förderung sozialer Netzwerke und Bemühungen um die Steigerung von Sozialkapital beantwortet wird. Jedoch zeigen die Autoren, wie die neuen Formen des sogenannten „networked urbanism“ entstanden sind, die im Zusammenhang mit Prozessen der Ghettoisierung, Suburbanisierung und Segregation stehen. Dies hat zu neuen Formen von exkludierendem Sozialkapital geführt, welches, während es die Position der bereits Begünstigten stärkt, nicht dazu beiträgt die Probleme der ärmeren Stadtbewohner zu lösen.

In einer Reihe von auf Niederländisch verfassten Texten für eine nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit hat sich Talja Blokland mit den Themen Mittelschicht und Stadt, Ethnizität und Rasse in der Innenstadt, Stadtentwicklung und “community action“ und öffentlicher Sicherheit auseinandergesetzt.