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Humboldt-Universität zu Berlin - Politische Soziologie und Sozialpolitik

Wintersemester 2016/17

53101 LS (MA) Autorität: Konzeptionen im Vergleich

Dozent: Dr. Holger Straßheim

Autorität gehört zu den umstrittensten Kernbegriffen der Sozialwissenschaften. Als „Herrschaft ohne Zwang“ und „Anerkennung ohne Deliberation“ (Straßenberger) stellt sie die Sozial- und Politiktheorie vor erhebliche Herausforderungen. Unklar sind die Quellen von Autorität: Entsteht sie aufgrund von moralischer oder charismatischer Überlegenheit (Thukydides, Weber), Amtsgewalt (Eschenburg), Ratgeberschaft und Deutungshoheit (Sternberger, Arendt), symbolischem Kapital (Bourdieu), institutionalisierter Entscheidungskompetenz (Parsons) oder aufgrund von Techniken der Selbst- und Fremdoptimierung (Foucault)? Je nach Konzeption geraten Autorität und Demokratie in ein Spannungsverhältnis zueinander, insbesondere wenn Autorität letztlich die fraglose Anerkennung von Entscheidungs- und Interpretationshoheit meint und damit die Suspendierung öffentlicher Kritik. Umstritten ist auch das Verhältnis von Autorität zu anderen Kernbegriffen wie Macht, Legitimation, Vertrauen und Wissen. Eine weitere Kontroverse rankt sich um den Wandel und die Bedeutung von Autorität in modernen Gesellschaften. Sie reicht von der These einer zunehmenden Konkurrenz zwischen „multiple authorities“ (Giddens) bis hin zu dem lakonischen Hinweis Baumanns, Autorität habe angesichts effektiverer Techniken der Kontrolle ihre Bedeutung verloren: „authority has become redundant“. Diese Debatte flammt derzeit in mehreren Teildisziplinen der Sozialwissenschaften wieder auf: Diskutiert wird angesichts des grenzüberschreitenden Einflusses von Expertise das Verhältnis von politischer und epistemischer Autorität unter den Bedingungen der post-nationalen Konstellation.

In dem Lektürekurs sollen zunächst Leitfragen und Kriterien entwickelt werden, um dann ausgewählte Konzeptionen von Autorität vergleichend zu analysieren. Gefordert ist die Bereitschaft zur strukturierten Lektüre und Diskussion mitunter umfangreicher Texte. Das Seminar ist auch für Studierende des Masterstudiengangs Wissenschaftsforschung geeignet.

Eintrag im KVV

 

53029 SE (BA) Food Safety: die inter- und transnationale Dimension

Dozent: Dr. Holger Straßheim

Die Lebensmittelsicherheitspolitik ist ein hochgradig globalisiertes Politikfeld. Wie in einem Brennglas lässt sich beobachten, wie und mit welchen Folgen Entscheidungs- und Koordinationsprozesse unter den Bedingungen der post-nationalen Konstellation miteinander verschränkt sind. Während wir uns im vergangenen Wintersemester vor allem mit den Grundlagen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Deutschland befasst haben, rückt nun die inter- und transnationale Dimension in den Fokus: Wie haben sich im internationalen Vergleich seit der BSE-Krise die Regime der Lebensmittelregulierung gewandelt? Was sind die grundlegenden Prinzipien und Konfliktpunkte? Welche Rolle spielt – etwa im Fall von Lebensmittelkrisen – das Europäische Mehrebenensystem und wer sind die zentralen Akteure? Wie sind inter- und transnationale Standard- und Normensysteme wie der Codex Alimentarius entstanden und wie lässt sich ihre Wirkung erklären? Welche Einflussmöglichkeiten haben und in welchem Verhältnis zueinander stehen auf globaler Ebene Agenturen der Lebensmittelsicherheit, multinationale Konzerne und zivilgesellschaftliche Organisationen? Wie verändern transnational agierende Expertenorganisationen und -netzwerke die Bewertung und das Management von Lebensmittelrisiken? Diesen und anderen Fragen wollen wir anhand konkreter Fallbeispiele nachgehen und so systematisch das Politikfeld in seiner räumlichen Verflechtung, aber auch in seiner Überlagerung mit anderen Politikfeldern (Konsumentenpolitik, Global Health, Wirtschafts- und Handelspolitik, Sicherheitspolitik etc.) ausloten.

Das Seminar dient zugleich der Einführung in die Grundlagen der Policy-Analyse und der Global Governance-Forschung. Erwartet wird die Bereitschaft zur intensiven Lektüre und Diskussion englischsprachiger Texte.

Eintrag im KVV

 

53131 SE (MA) Kritische Perspektiven in der Policy-Forschung

Dozent: Dr. Holger Straßheim

Seit den 90er Jahren hat sich in der Policy-Analyse eine eigene Strömung entwickelt, die sich kritisch mit den empirizistischen und positivistischen Prämissen konventioneller Policy-Perspektiven auseinandersetzt. Sie verfolgt das Ziel, Fragen nach Macht und Autorität, Interessen und Werten, Demokratie und Partizipation wieder stärker in den Fokus der Forschung zu rücken und dabei systematisch auch den sozialen und politischen Einfluss der Policy-Analyse selbst kritisch zu reflektieren. In dem Seminar wollen wir uns vergleichend mit den einzelnen diskursiven, argumentativen, deliberativen und interpretativen Ansätzen der kritischen Policy-Analyse auseinandersetzen und den jeweiligen analytischen Mehrwert anhand von empirischen Fallbeispielen diskutieren. Zugleich soll es dabei immer auch um die Rolle von (Policy-)Expertise, Wissenschaft und Technokratie in globalisierten Gesellschaften gehen. Gast des Seminars ist Prof. Dr. Frank Fischer (Rutgers University/Universität Kassel), der als ein Protagonist der kritischen Policy-Analyse seine langjährigen Forschungserfahrungen in die Seminardiskussion einbringen wird. Teilnahmevoraussetzungen sind Grundkenntnisse der Policy-Analyse sowie die Bereitschaft zur intensiven Textlektüre. Das Seminar ist auch für Studierende des Masterstudiengangs Wissenschaftsforschung geeignet.

Eintrag im KVV

 

53116 LS (MA) Politische Kommunikation in Zeiten der Krise

Dozent: Dr. phil. Andreas Schäfer

Politische Kommunikation ist aus Sicht jüngerer Forschung für die Vorbereitung, Durchsetzung und Implementation verbindlicher kollektiver Entscheidungen von wachsender Bedeutung. Demnach sind die etablierten Verfahren demokratischer Entscheidungsfindung immer weniger allein in der Lage, Zustimmung zu oder Akzeptanz von politischen Entscheidungen in einer zunehmend individualisierten und fragmentierten Gesellschaft zu generieren. Dies scheint zwar nicht nur in Krisensituationen zu gelten, tritt dort aber besonders deutlich zu Tage.

Während also politische Akteure immer stärker auf die strategische Nutzung politischer Kommunikation angewiesen sind, wird gleichzeitig deren Wirkung durch die Ausdifferenzierung des Publikums in diverse Teilöffentlichkeiten und durch die Ausweitung von Medienkanälen (u. a. durch online- und social media) immer weniger kontrollierbar.

Das Seminar fragt zunächst nach den Ausgangsbedingungen und Entwicklungstrends politischer Kommunikation in der mediatisierten Gesellschaft. In einem zweiten Schritt widmet es sich dann den Wirkungsmechanismen politischer Kommunikation und erkundet die Dynamiken zwischen politischen Entscheidungs- und öffentlichen Kommunikationsprozessen. In einem dritten Schritt erfolgt die Reflexion dieser Ergebnisse in Hinblick auf ihre Bedeutung für die Entwicklung der repräsentativen Demokratie.

Ziel ist es, über die Erarbeitung des Forschungsstandes und dessen Diskussion anhand jüngerer krisenhafter Phänomene wie u. a. der Finanz- und der sogenannten Flüchtlingskrise klare analytische Perspektiven auf den komplizierten Zusammenhang von politischer Kommunikation, öffentlicher Meinung und kollektiven Entscheidungsprozessen zu entwickeln.

Eintrag im KVV

 

 

53032 SE (BA) Wirtschaftspolitik für Sozialwissenschaftler

Dozent: Tom Ulbricht

Wie funktioniert die Wirtschaft und in welchem Interaktionsverhältnis steht sie zur Politik? Unzweihalft ist die Beziehung zueinander komplex und interdependent: Zum einen stellt die Ökonomie die Ressourcen für verschiedene Felder der Staatstätigkeit bereit. Zum anderen greift die Politik als Ort der autoritativen Allokation allgemeinverbindlicher Entscheidungen maßgeblich in den Wirtschaftsprozess ein. Die seit Jahren schwelende Wirtschafts- und Schuldenkrise in Europa hat das Interesse an der Rolle der Politik als Zähmer des Marktes aber auch die Perspektive des vom Markt gezähmten Staates wieder verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Noch vor wenigen Jahren diskutierte ganz Europa nicht nur über die „griechische Krankheit“, sondern im Zuge der Ansteckung weiterer Staaten auch über die Zukunft des Euro. Die intensiv geführte Debatte über die erforderlichen wirtschaftspolitischen Rettungsmaßnahmen für Schuldenstaaten in der Eurokrise führte nicht nur das Theoriedefizit eines partiell integrierten Wirtschaftsraums vor Augen, sondern hat im Kontext eines fehlenden Konsens in der Problemdefinition sowie in den Zielvorstellungen in praktischer Konsequenz inkonsistente und inkohärente gouvernementale und intergouvernementale Krisenbewältigungsstrategien zur Folge, die teilweise in ihrem Wirkungsvektor in Konflikt stehen.
Das Seminar verfolgt folgende Zielsetzungen: Es führt im ersten Teil in die volkswirtschaftlichen Grundlagen der Wirtschaftspolitik ein. Ausgehend von einer Einführung in zentrale Theorien ökonomischer Zusammenhänge (Monetarismus; Keynesianismus, Ordnungs- und Prozesspolitik) sollen politikwissenschaftliche Analysen und die Paradigmen des staatlichen Krisenmanagements anhand von europäischen Fallbeispielen in der Wirtschafts- und Schuldenkrise erörtert werden.

Eintrag im KVV