Humboldt-Universität zu Berlin - Makrosoziologie

Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten

 

Referat | Hausarbeit | Essay | Zitieren | Literaturrecherche
weiterführende Literatur zum wissenschaftlichen Arbeiten


Mündliche Vorträge und schriftliche Arbeiten sind die wichtigsten Kommunikationsmittel in der Wissenschaft. Die Anfertigung von Thesenpapieren, Referaten und Hausarbeiten im Studium dient der Einübung in diese grundlegenden Präsentationstechniken wissenschaftlicher Inhalte. Dabei muss davon ausgegangen werden, dass sich die Präsentation an ein Publikum richtet, dem die vorgestellten Sachverhalte und Theorien unbekannt sind. Daraus folgt, dass der Stoff so dargestellt werden muss, dass er aus sich selbst heraus verständlich wird. Um dies sicher zu stellen, sollten Sie sich beim Vorbereiten eines Referats oder beim Verfassen einer Seminararbeit in die Perspektive eines fiktiven Zuhörers oder Lesers versetzen, für den Ihre mündlich oder schriftlich übermittelten Informationen die einzige zur Verfügung stehende Quelle sind.

Die mündliche oder schriftliche Präsentation sollte in sich schlüssig und klar sein, wichtige Begriffe müssen definiert werden und die Argumentation muss einen "roten Faden" haben. Es muss deutlich werden, was die wesentlichen empirischen und theoretischen Aussagen sind. Am Schluss der Arbeit sollte der Bezug zur Ausgangsfrage wiederhergestellt werden und noch einmal zusammengefasst werden, was in der Argumentation beschrieben, begrifflich geklärt und soziologisch erklärt werden konnte. Die Quellen, auf die Sie sich stützen, müssen selbstverständlich durch Quellenangaben im Text und vollständige bibliographische Angaben im Literaturverzeichnis nachgewiesen werden.

Referat

Aufgabe eines mündlichen Referates ist es, ein Seminar-Thema mündlich zu präsentieren und Anstöße für die Seminardiskussion zu geben. Sofern die Hausarbeit nach dem mündlichen Vortrag geschrieben wird, sollte sie die wichtigsten Punkte des Referates aufgreifen und vertiefen. Referate sollten eine Länge von 30 Minuten nicht übersteigen, Kurzreferate dauern 10-15 Minuten. Der Vortrag sollte anhand von Stichpunkten frei erfolgen. Hilfsmittel, die den Vortrag lebendiger gestalten (z.B. Folien oder PowerPoint Präsentationen), sollten nach Möglichkeit verwendet werden. Das Thesenpapier dient der Hervorhebung der wichtigen Aspekte des Themas und der Veranschaulichung von Zusammenhängen. Der Aufbau des Referats sollte an folgendem Schema orientiert sein:

  1. Einstieg (Themenüberblick und Motivierung der Zuhörer)
  2. Vermittlung zentraler Inhalte (Informationsaufnahme der Zuhörer)
  3. Zusammenfassung (Sicherung des Gehörten)

 

Thesenpapier zum Referat

Ein Thesenpapier enthält (vorzugsweise in ausformulierten Sätzen und weniger in Stichpunkten) die zentralen Begriffsdefinitionen und Aussagen zum jeweiligen Thema. Zur Veranschaulichung von Zusammenhängen können auch wichtige schematische oder tabellarische Darstellungen aufgenommen werden. Im Hauptstudium können die Thesen durchaus provokant formuliert werden, um die Seminardiskussion anzuregen. Allerdings sollte der Referent dann auch in der Lage sein, seine Thesen mit guten Argumenten zu verteidigen.

Hausarbeit

Hausarbeiten sind grundsätzlich auszuformulieren. Sie enthalten somit keine stichwortartigen Verkürzungen, sondern durchgearbeitete und zusammenhängende Textpassagen. Dabei ist davon auszugehen, dass diese Präsentation die einzige Informationsquelle für den Leser darstellt und daher für sich selber sprechen muss.

Im Interesse der Verständlichkeit muss der Gang der Argumentation für den Zuhörer bzw. Leser möglichst transparent gemacht werden. Es ist Aufgabe der Einleitung, den Leser darüber zu informieren, welche Thematik im Folgenden für ihn dargelegt wird und welche Position er/sie in Bezug auf diese Thematik vertreten. Vor dem Einstieg in den "Hauptteil" sollte am Ende der Einleitung ein Ausblick auf den Inhalt und die Argumentationsschritte (Gliederungspunkte) stehen, die im Folgenden abgehandelt werden.

Der Hauptteil enthält die Aufarbeitung des Themas und der Problemstellung, d.h. begriffliche Definitionen, theoretische Ausführungen, Ergebnisse empirischer Untersuchungen oder Beispiele praktischer Anwendung. Jede Behauptung, die für den Fortgang der Argumentation von Wichtigkeit ist, sollte empirisch belegt bzw. theoretisch begründet werden. Es ist inhaltlich zu unterscheiden zwischen gesichertem Wissen, Behauptungen und Bewertungen. Die Darstellung sollte inhaltlich einen "roten Faden" erkennen lassen: Die Aufeinanderfolge von Argumenten und Informationen, Abschnitten und Kapiteln muss also begründet werden. Achten Sie unbedingt darauf, dass durchgehend dokumentiert wird, woher Sie Ihre Informationen und Anregungen bezogen haben! Wenn fremde wichtige Gedanken oder Informationen übernommen werden, gleichgültig ob man sie übernimmt oder sich von ihnen distanziert, muss die Quelle kenntlich gemacht werden. Dies gilt nicht nur für wörtliche Zitate, sondern auch für indirekte Zitate, also die sinngemäße Übernahme von Literaturstellen sowie die Auseinandersetzung mit diesen (siehe Zitieren).

Auf den Hauptteil sollte ein zusammenfassendes, bilanzierendes, eventuell kritisierendes und weiterführendes Resümee bzw. eine Schlussbemerkung folgen, um die Arbeit abzurunden.

Formaler Aufbau der Hausarbeit

Das Deckblatt enthält folgende Angaben:

  • Titel der Lehrveranstaltung
  • Name des Leiters der Lehrveranstaltung
  • Laufendes Semester
  • Thema des Thesenpapiers bzw. Referats
  • Name, Adresse, Telefonnummer bzw. e-mail der ReferentIn
  • Studiensemester und Studienrichtung der ReferentIn

Auf der zweiten Seite der Arbeit findet sich das Inhaltsverzeichnis. Bei jedem Punkt des Inhaltsverzeichnisses ist anzugeben, auf welcher Seite der entsprechende Text beginnt. Die Gliederungspunkte müssen sich als Überschriften im Text wiederfinden.

Die Gliederung ist nach folgendem Schema aufzubauen:

1. Einleitung
2.
2.1.
2.1.1.
3. Literaturverzeichnis
4. Anhang

 
Essay

Ein Essay ist ein knapper, anspruchsvoller, bewusst subjektiver Text über ein bestimmtes Thema. Im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Textsorten ist das Essay perspektivisch geschrieben. Es können also auch persönliche Beobachtungen und Eindrücke mit in den Text einfließen. Zentral ist die wissenschaftliche Argumentation, die in ihren Grundzügen bereits im ersten Absatz eingeführt werden sollte.

 
Formalitäten

Der Text einer schriftlichen Arbeit ist mit Computer oder Schreibmaschine zu schreiben. Für die Buchstaben sollte Schriftgrad 12 (Times New Roman) und ein Zeilenabstand von 1,5 gewählt werden. Auf der linken und rechten Seite sollte ein Rand von 3 cm freigelassen werden. Fußnoten sind im Text fortlaufend zu nummerieren. Sie sollten jeweils unten auf der entsprechenden Seite erscheinen. Die Länge des Textes sollte bei Proseminararbeiten etwa 12-15 Seiten, bei Hauptseminarbeiten 20-25 Seiten betragen. Essays sind in der Regel kürzer.

 
Zitieren in den schriftlichen Arbeiten

Wissenschaftliches Arbeiten zeichnet sich durch Präzision aus, d.h. sowohl bei der Kenntnisnahme und Darstellung der zu diskutierenden Literatur als auch bei der aufrichtigen Unterscheidung zwischen der eigenen Argumentation und den herangezogenen Informationen oder Positionen. Mit Zitaten und Literaturverweisen werden Verbindungen zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen hergestellt; sie sichern eine eingenommene Position ab, ordnen ein, grenzen ab und sind, richtig eingearbeitet, ein unmittelbarer Bestandteil der wissenschaftlichen Argumentation. Dabei kann zwischen wörtlichen und indirekten Zitaten, besonders beim Referieren von Argumenten oder Definitionen, und sinngemäßen Verweisen, wenn man sich an einem anderen Text orientiert, unterschieden werden.

Die Zitierweise richtet sich entweder nach dem amerikanischen oder nach dem europäischen Vorbild. In einem Text muss konsequent ausschließlich eine der beiden Varianten angewendet werden. Bei der amerikanischen Zitierweise wird nach wörtlichen und indirekten Zitaten sowie nach Abschnitten, die sich an einem bestimmten Text orientieren, der Name des Autors, das Jahr der Veröffentlichung sowie die Belegstelle mittels Seitenzahl in Klammern angegeben, z.B.: (Müller 1989, 15). Bei der europäischen Zitierweise wird nach wörtlichen und indirekten Zitaten sowie nach Abschnitten, die sich an einem bestimmten Text orientieren, der Name des Autors, das Jahr der Veröffentlichung, der Titel des Textes, Erscheinungsort sowie die Belegstelle mittels Seitenzahl in der Fußnote angegeben, z.B.: Müller, Martha. 1989. Die Zukunft der Soziologie. Frankfurt: Campus: S. 15. Wenn Sie ein Zitat aus einer anderen als der Originalquelle übernehmen, kennzeichnen sie es entsprechend (zit. n. Müller 1989, 15) oder in der Fußnote: zit. n. Müller, Martha. 1989. Die Zukunft der Soziologie. Frankfurt: Campus: S. 15.

 
Literaturverzeichnis

Das Literaturverzeichnis enthält alle verwendeten Texte, gleichgültig ob wörtlich, indirekt zitiert oder nur sinngemäß verwiesen: Bücher, Zeitschriftenaufsätze, Sammelwerke und ggf. auch Internetaddressen. Das Literaturverzeichnis ist alphabetisch nach den Familiennamen der Verfasser zu ordnen. Bei identischem Verfasser richtet sich die Reihenfolge nach dem Jahr der Veröffentlichung, im Fall von mehreren Veröffentlichungen pro Jahr sind diese durch a, b, c etc. zu kennzeichnen. Im Literaturverzeichnis erfolgt die vollständige bibliographische Angabe der verwendeten Texte, nach folgendem Muster:

  • bei Büchern: Nachname des Verfassers, Vorname. Erscheinungsjahr. Titel des Buches. Erscheinungsort: Verlag.
  • bei Aufsätzen in Büchern: Nachname des Verfassers, Vorname. Erscheinungsjahr. "Titel des Aufsatzes." S. 210-250 in Titel des Buchs, hrsg. von Vorname, Nachname des Herausgebers, Erscheinungsort: Verlag.
  • bei Aufsätzen in Zeitschriften: Nachname des Verfassers, Vorname. Erscheinungsjahr. "Titel des Aufsatzes." Name der Zeitschrift, Jahrgang: S. 210-250.
  • bei Internetaddressen: Nachname des Verfassers, Vorname. Erscheinungsjahr. "Titel des Aufsatzes." <http://www2.hu-berlin.de/struktur/Lehre+Studium/tips.html>, gefunden am 9. Januar 2004.
 
Sichtung der Literatur für die Hausarbeit

In der Universitätsbibliothek wird für jedes Seminar ein Handapparat eingerichtet, der die zentrale Literatur enthält. Für jedes Seminar wird zusammen mit dem Seminarplan eine Literaturliste bereit gestellt, in der die für die Thematik relevante Literatur aufgeführt ist. Die Verwendung weiterer, selbständig ermittelter Literatur wird spätestens im Hauptstudium erwartet und ist bereits für Seminararbeiten im Grundstudium von großem Vorteil. Weitere Hinweise zur Literaturrecherche finden Sie hier. Treten bei der Literaturauswahl oder Literaturbeschaffung Probleme auf, wenden Sie sich bitte frühzeitig an den Seminarleiter oder die Seminarleiterin.

Bewertungskriterien für Seminararbeiten
  1. Informationsgehalt: Wie breit und tiefgehend wird das Thema behandelt? Ist es der Autorin gelungen, sich auf eine zentrale Fragestellung zu begrenzen und eine klare Position zu beziehen?
  2. Argumentation: Ist es der Autorin gelungen, verschiedene in der wissenschaftlichen Literatur vertretene Thesen aufeinander zu beziehen und von einander abzugrenzen sowie Ansätze auf ihre relativen Stärken und Schwächen hin zu vergleichen? Ist es der Autorin gelungen, ihre eigene Position durch die Argumentation zu begründen?
  3. Soziologische Erklärung: War die Autorin in der Lage, allgemeine soziologische Theorien zur Erklärung des interessierenden Sachverhalts anzuwenden? Ist es ihr gelungen, Theorie und Empirie plausibel und den wissenschaftlichen Standards genügend zu verknüpfen? Dabei wird auch darauf geachtet, ob die Darstellungen der Autorin die Einbettung eines Sachverhalts in den weiteren kulturellen und gesellschaftlichen Kontext realisiert.
  4. Darstellung: Wurden die formalen Kriterien an Seminararbeiten erfüllt? Wurde Klarheit, Genauigkeit, stilistische und sprachliche Qualität der Darstellung erreicht?
  5. Literaturverarbeitung: Wieviel Literatur wurde herangezogen? Wie genau wurde sie in den Text einbezogen?

 
Weiterführende Literatur zum wissenschaftlichen Arbeiten

Für Erstsemesterstudenten bietet der Fachbereich in der Einführungswoche des Wintersemesters einen Kurs "Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten" an. Für detailliertere Informationen zur Erarbeitung sowie schriftlichen und mündlichen Präsentation von sozialwissenschaftlichen Stoffen haben sich folgende Bücher als hilfreich erwiesen:

  • Bünting, Karl-Dieter, Alex Bitterlich und Ulrike Pospiech. 2000. Schreiben im Studium: mit Erfolg. Berlin: Cornelsen Verlag.
  • Eco, Umberto. 1992. Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Heidelberg: C. F. Müller, 5. Aufl.
  • Kruse, Otto. 1994. Keine Angst vorm leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt/Main: Campus, 2. Aufl.
  • Poenicke, Klaus. 1988. Wie verfasst man wissenschaftliche Arbeiten. Ein Leitfaden vom ersten Studiensemester bis zur Promotion. Mannheim: Duden, 2. Aufl.
    Theisen, Manuel René. 1993. Wissenschaftliches Arbeiten. Technik - Methodik - Form. München: Vahlen, 7. Aufl.

Weitere Informationen zum wissenschaftlichen Arbeiten in der institutseigenen Broschüre "Wie verfasse ich eine wissenschaftliche Arbeit?", die im Studienbüro erhältlich und auf dessen Seite herunterladbar ist (https://www.sowi.hu-berlin.de/studium/downloads/neues_heft_wiss_arbeiten).