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Humboldt-Universität zu Berlin - Theorie der Politik

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Sozialwissen­schaften | Theorie der Politik | SFB 644 „Transformationen der Antike“ Teilprojekt A11

SFB 644 „Transformationen der Antike“ Teilprojekt A11

 

Teilprojektleitung

Prof. Dr. Herfried Münkler

 

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen

Eva Marlene Hausteiner, M.A.

Dipl.-Pol. Andreas Lotz

Marco Walter, lic.rer.soc.

 

Link

www.sfb-antike.de

 

Kurzbeschreibung

Die römische Imperiumsidee ist eine der politiktheoretisch prominentesten und politisch wirksamsten Legitimationsformeln politischer Herrschaft. So arbeitet der Titel „Imperiale Deutungsmuster“ bewusst mit einer Doppeldeu­tigkeit: erstens werden Deutungsmuster imperialer Politik thematisiert, zweitens kommt diesen innerhalb der entsprechenden Diskurse ihrerseits imperiale Bedeutung und Über­zeugungskraft zu. Im Rückbezug auf römische Imperiumspolitik liegt gleichsam eine Machtressource für imperiale und antiimperiale Akteure, deren Reflexivität die Leitperspektive des Teilprojekts ausmacht: Wie beobachten sich politische Akteure im Spie­gel der römischen Reichsgeschichte selbst, um sich für die Bewältigung anstehender Auf­gaben zu wappnen?

Die Einnahme einer solchen Beobachtungsperspektive zweiter Ordnung soll im Schnittbereich von politischer Ideengeschichte, politischer Theorie und politischer Publi­zistik sowie unter Nutzung von Forschungsergebnissen der politischen Ikonographie und kulturindustriellen Erzeugnissen erfol­gen. Mit einer methodisch diskurstheoretischen Orientierung auf strukturelle, funktionale, semantische und episte­mische Anknüpfungen wird das Imperium Romanum als sich durch alle Zeiten hin­durch ziehende politische Reflexionskategorie für die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Imperien vorgestellt.

Das Teilprojekt integriert dafür zwei komplementäre Unterprojekte. Deren gemeinsame methodische Aufgabe besteht in einem ideen­historisch und politiktheoretisch typologisierenden Vorgehen, soll heißen: in einer begriffsbil­denden und auf die Identifizierung wiedererkennbarer Deutungsmuster abzielenden Syste­matisierung von instrumentellen und reflexiven Anverwandlungen der römischen Imperialgeschichte.

Unterprojekt 1 untersucht die britischen Selbstverständigungsdiskurse während des 19. Jahrhunderts sowie die Selbst- und Fremdbeobachtung der USA während der letzten zwei Jahrzehnte. So gilt es in diesem Unterprojekt einerseits, die Vorbildfunktion römischer Geschichte für das britische Weltreich zu analysieren. Andererseits soll das über das Britisch Empire indirekt ver­mittelte imperiale Reflexionspotential Roms für die USA  aufgezeigt werden. Denn deren Selbst- und Fremdevaluation hat erst in jüngerer Zeit zunehmend begonnen, die USA auch, aber eben nicht nur im Spiegel Roms zu referentialisieren.

Unterprojekt 2 perspektiviert das politische Interesse am Imperium Roma­num anhand des im römischen Republikanismus wurzelnden Dekadenzmotivs. Dessen Transformationen und Nutzbarmachung für politische Ziele unterschiedlichster Herkunft gilt es nachzuzeichnen und offenzulegen. So wird die Dekadenz beispielsweise gleichermaßen zur Verteidigung von sich ausschließenden Staatsformen herangezogen und bringt es in einer imperialen Deutung sogar bis zum „Exportschlager“ (Karsten Fischer), um angeblich unzivilisierte oder widerständige Bevölkerungen zu zivilisieren und zu befrieden.